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Pflanzliche Kinderernährung - vegan und unbedenklich?

Im Netz findet man viele Ratschläge, wenn es um das Thema „Pflanzliche Kinderernährung“ geht. Bereits im Säuglingsalter oder spätestens, wenn das Kind in den Kindergarten und in die Schule geht, werden Eltern oft von Lehrern und anderen Eltern mit Vorurteilen und Fehlinformationen überhäuft. Ich bringe heute Licht ins Dunkel.

Muttermilch ist das Allerbeste für Babies. Keine Alternative ist mit ihr vergleichbar. Sie hat eine einzigartige, wertvolle Nährstoffzusammensetzung und stattet das Baby mit allem aus, was der kleine Körper für sein gesundes Wachstum benötigt. Zudem ist das Stillen eine hochkomplexe Interaktion zwischen Mutter und Kind.

Sojabasierte Säuglingsnahrung

Was aber, wenn Stillen aus verschiedensten Gründen keine Option ist? Kann ruhigen Gewissens auf sojabasierte Säuglingsnahrung zurückgegriffen werden? Die häufigsten Situationen, die das Stillen des Säuglings verhindern, sind:

  • Brustverweigerung
  • Pierre-Robin-Sequenz (Anomalien des Kieferbereichs)
  • Frühgeburt
  • Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
  • Saugschwäche
  • Neurologische Schwächen
  • Stoffwechselerkrankungen des Säuglings
  • Infektionskrankheit der Mutter (beispielsweise HIV)
  • Alkohol- oder Drogensucht

In einer umfassenden Studie, die 2014 im britischen Journal of Nutrition publiziert wurde, kommt man zu dem eindeutigen Ergebnis, dass sojabasierte Säuglingsnahrung (SIF) unbedenklich ist und es in keinem Bereich Unterschiede zwischen den einzelnen Ernährungsgruppen (sojamilchbasierte Säuglingsnahrung und andere Babynahrung) gibt. Somit gilt SIF als wissenschaftlich unbedenklich und ist eine gute Alternative für Mütter, die ihr Baby pflanzlich ernähren wollen.

Die erste Beikost

Man kann beginnen feste Nahrung einzuführen, wenn das Kind fünf oder sechs Monate alt ist oder sein Gewicht verdoppelt hat. Ich halte es für sinnvoll, mit einem mit Eisen angereicherten Getreide zu beginnen, da der ursprünglich hohe Eisenspeicher von Kleinkindern bereits mit vier bis sechs Monaten anfängt zu sinken.

Am Besten bringt man in ein- bis zweiwöchigen Intervallen ein neues Nahrungsmittel nach dem anderen ein. Es ist völlig ausreichend, wenn man pro Woche ein neues Gemüse einführt. So kann man auch herausfinden, ob das Kind allergisch auf ein bestimmtes Nahrungsmittel reagiert.

Sechs bis acht Monate

Nun kann man beginnen mehr Gemüse anzubieten. Kartoffeln, grüne Bohnen, Karotten und Erbsen eignen sich gekocht und püriert hervorragend. Ausserdem sind zerdrückte Bananen, Avocados, pürierte und durchgesiebte Pfirsiche oder Apfelmus ein toller Snack. Mit acht Monaten können die meisten Babys Cracker, Brot und trockene Cerealien essen. Ebenso pürierte und proteinreiche Nahrung wie Tofu oder gekochte Bohnen.

Bei pflanzlicher Beikost sollte auf eine ausreichende Zufuhr von Kalzium, Zink, Jod, Vitamin B2 und besonders der Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure geachtet werden. Sie ist wichtig für die ordentliche Funktion der Augen und für die Gehirnentwicklung. Alpha-Linolensäure findet sich in pflanzlichen Ölen, wie Lein-, Hanf-, Walnuss- und Rapsöl, sowie in Nüssen.

Kleinkinder

Kleinkinder nehmen gerne eine Vielzahl an Obst- und Gemüsesorten, Getreide und Hülsenfrüchten an. Ihr Energie- und Nährstoffbedarf ist bezogen auf das Körpergewicht noch etwas erhöht, jedoch in geringerem Ausmass als beim Säugling. Hier sollte auf eine ausreichende Zufuhr an Kohlenhydraten und Proteinen geachtet werden.

Aufgrund des Aminosäuremusters sowie der geringeren Verdaulichkeit pflanzlicher Proteine kann man die Proteinzufuhr für pflanzlich ernährte Kinder um etwa ein Viertel bis ein Drittel erhöhen. Pflanzliche Quellen haben zudem den Vorteil, dass sie den Körper nicht übersäuern.

Schulkinder

Schulkinder sind neugierig und wollen wissen, woher ihr Essen kommt. Sie haben grosse Freude daran mitzuhelfen, Märkte zu besuchen und bei der Gartenernte zu helfen. So ist es relativ einfach, sie pflanzlich ausreichend mit allem zu versorgen, was sie benötigen.

Altersentsprechend sollte bei Kindern natürlich immer eine ausreichende Versorgung mit Kalzium, Eisen, Zink, Jod, Vitamin B2, Vitamin D (im Winter Vitamin D-Supplemente) und wichtige Omega-3-Fettsäuren aus natürlichen Quellen sichergestellt werden. Dies gilt natürlich nicht nur für Kinder, die pflanzlich ernährt werden, sondern sollte ungeachtet der Ernährungsform immer gegeben sein.

Teenager

Wenn unsere Lieblingsmenschen in die Pubertät kommen, bedeutet dies nicht nur für uns Eltern Stress. Vor allem für die Teens ist es eine Phase des Umbruchs. Seelisch und körperlich. Das Skelett wächst in die Länge und Breite und benötigt dafür nun mehr Kalzium. Teenager können hier auf gute pflanzliche Lieferanten für Kalzium zurückgreifen:

  • grünes Blattgemüse
  • Sesam und Sesammus
  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte
  • Tofu
  • kalziumreiches Mineralwasser

Alle Teenager brauchen nun mehr Eisen, weil sie schneller wachsen und mehr Blut bilden. Bei Mädchen ist ab dem Beginn der Monatsblutung zu einer erhöhten Eisenversorgung zu raten. Durch den Verzehr eisenhaltiger, pflanzlicher Nahrungsmittel, wie beispielsweise Vollgetreide, Soja, Nüsse, Hülsenfrüchte und Trockenfrüchte, bei zeitnaher hoher Aufnahme von Vitamin C und anderen organischen Säuren (enthalten in Gemüse und Obst), kann die Eisenresorption gesteigert werden.

Bei vielen vegan lebenden Jugendlichen kann die Zufuhr von Zink verbessert werden. Ausserdem ist auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin B2 (Funktion: Energiegewinnung beim Nährstoffabbau, Antioxidans, Wachstum, Embryonalentwicklung, Immunabwehr).

Enthalten in: Nüsse, Pilze, Ölsamen, Hülsenfrüchte, Vollgetreide.

Spielende Kinder
Muttermilch stattet das Kind mit allem aus, was der kleine Körper für sein gesundes Wachstum benötigt.

 

Darauf ist ausserdem zu achten

B12

Bitte immer auf eine sichere Vitamin B12-Versorgung durch angereicherte Lebensmittel und/oder Supplemente achten.

Fett

Kinder brauchen unter Umständen etwas mehr Fett als wir Erwachsenen. Gesunde Fettquellen sind z.B. Sojabohnen, Avocados und rein pflanzliche Nussaufstriche. In Kokosöl knusprig angebratene Scheiben Räuchertofu, selbstgemachte Erdnussbutter auf selbstgebackenem (Vollkorn-)Brot, pflanzliche Burger und Avocado-Stücke im Salat werden von Kindern gerne gegessen.

Kalzium

Dieses Mineral bildet im Körper die Hartsubstanz von Knochengewebe und Zähnen und wird in den Knochen „gespeichert“. Im Blut ist Kalzium an der Blutgerinnung, als hormon- oder enzymaktivierende Substanz oder an der neuromuskulären Erregbarkeit beteiligt.

Beste Quellen: Dunkelgrünes Gemüse, Wildpflanzen, Bohnen, Trockenfeigen, Süsskartoffeln, Blattkohl, Weisskohl, Brokkoli und Mangold. Ein optimaler Kalziumlieferant kann auch Mineralwasser sein. Zusätzlich helfen die Aufnahme von Obst und Gemüse und eine geminderte Salzaufnahme dem Körper dabei das Kalzium besser aufzunehmen.

Eisen

Kinder sind immer Wachstum, selbst wenn man es vermeintlich nicht sieht. Deshalb brauchen sie Eisen. In der Pubertät benötigen sie dann noch etwas mehr Eisen, damit sie nicht unter Schwindel, Augenflimmern oder Kopfweh leiden müssen. Eisen kommt in verschiedenen Arten von Bohnen und Blattgemüsen vor. Wer die Eisenaufnahme fördern möchte, achtet darauf, eisenhaltige Lebensmittel zusammen mit

  • Vitamin C (beispielsweise Paprika, frischer Orangensaft)
  • fermentierten Lebensmitteln wie beispielsweise Tempeh
  • säurehaltigen Lebensmitteln oder
  • Aminosäuren (selbstgebackenes Brot aus Vollkornmehl oder frischen Erbsen) aufzunehmen.

Fazit

Kinder pflanzlich zu ernähren macht nicht nur Sinn, sondern auch viel Spass. Es gibt so viel zu entdecken.

Much love,
Nicole

 

Wie stehst du zu diesem Thema? Würdest du dein Kind rein pflanzlich ernähren oder tust du es bereits? Sag uns in den Kommentaren, was du dazu denkst.

 

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