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100 Prozent konsequent

Prinzipien. Konsequenz. Grundsätze. Wahrheit. Das sind alles ganz wunderbare Worte, die manchmal zu gähnenden Worthülsen mutieren. Es gelingt uns nämlich nicht immer, unsere eigenen Regeln einzuhalten. Und das kann sich herrlich anfühlen. Mal dem Engelchen auf der linken Schulter den Stinkefinger zeigen und dem Teufelchen am rechten Ohr lauschen. Vielleicht erinnert uns der innere Rebell an das Kind, das wir einst waren, wenn es weiss, dass es etwas Verbotenes tut. Jederzeit diszipliniert unser Ding durchzuziehen - wem gelingt das schon?

Sind wir mal ehrlich. Es passiert uns in den unterschiedlichsten Situationen. Wir regen uns über die Masse an Wegwerfbechern auf, welche täglich von unseren Mitpendlern konsumiert und von uns boykottiert werden. Doch da kommt der Tag, an welchem wir unterwegs sind, keine Zeit haben für einen Halt und die Lust auf Kaffee über die Vernunft hinauswächst. Ausgeknipst ist das Bewusstsein und schon halten wir den Becher in der Hand, aus dem duftender Dampf aufsteigt und uns ein Glücksgefühl beschert.

Oder da ist der Obsthändler, auf dessen Fahne gross geschrieben steht, dass er nur mit saisonalen Schweizer Früchten handelt. Ebendieser kauft sich im Monat mindestens drei Avocados für seine heissgeliebte Guacamole.

Oder da ist der verheiratete Nachbar, der mitbekommt, dass beim Ehepaar gegenüber jedes Mal weiblicher Besuch kommt, wenn die Frau des Hauses Spätschicht hat. Üble Sache, denkt er sich. Doch dann lernt er eine junge Dame kennen und kann dem Seitensprung nicht widerstehen.

Oder da ist der vegan lebende Mensch, welcher regelmässig erklärt, warum er keine tierischen Produkte verzehrt und dann dem Butterbrezel unter keinen Umständen widerstehen kann.

Oder da ist der Mobility-Fahrer, der kein eigenes Auto besitzt aus ökologischen Gründen und dann jedoch in den Ferien zweimal jährlich nach Übersee fliegt, um sich vom stressigen ÖV-Fahren zu erholen.

Die Liste der Beispiele reicht bis ins Unendliche. Wenn wir uns nun die Menschen in den Situationen vorstellen, in welche sie aufgrund ihrer Prinzipien eigentlich gar nicht reinpassen, werden wir unterschiedliche Gefühle erahnen. Das geht von “ich darf auch mal Schwäche zeigen” und “das tue ich sonst nie” über “hoffentlich sieht mich keiner” bis hin zu “hinfort mit dir du schlechtes Gewissen”.

Wir neigen dazu, ein Urteil zu fällen über Andere, die nicht tun, was sie sagen. Dabei sind wir keinen Deut besser. Mit uns selbst tolerant zu sein, wenn wir etwas “Verbotenes” tun, fällt uns um ein Vielfaches leichter als das Verständnis für dasselbe Verhalten bei unseren Mitmenschen aufzubringen.

Dabei sind solche Aussetzer wichtig. Sie zeigen, dass jemand seinem Herzen folgt und sich etwas gönnt. Wie schön wäre es, wenn wir es schaffen würden, uns für andere genauso zu freuen, wie für uns selbst, wenn wir ein solches Leck an Konsequenz beobachten.

 

In welchen Momenten fällt es dir schwer, deinen eigenen Gesetzen zu folgen? Kommentiere diesen Beitrag und lasse die Community wissen, dass es noch andere gibt, die ihre Grundsätze vernachlässigen. Oder gehörst du zu der Fraktion, die sich konsequent erst gar keine Prinzipien zulegt?

 

 Autorin: Linda Schenker

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