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Choba Choba – die Rebellen der Schokoladen-Revolution

Wahnsinnig feine Schokolade, die ohne Umschweife von peruanischen Kakaobauern direkt bei dir landet, selbstverständlich fair und biologisch produziert. Klingt zu schön, um wahr zu sein? Falsch. Die Rebellen des Schoggi-Unternehmens Choba Choba starteten 2015 eine regelrechte Schokoladen-Revolution, weil sie die weitverbreiteten unethischen Produktionsbedingungen satt hatten. Nun steht Choba Choba schweizweit für Schokoladengenuss, der fairer, direkter und leckerer nicht sein könnte. Wir haben uns mit Mitbegründer Christoph unterhalten.

Hi Christoph! Bitte stell’ dich vor und verrate uns, woher du kommst und was du machst.
Ich bin 37 Jahre alt, bin verheiratet, habe zwei kleine Töchter und wohne in Bern. Ich war in der Entwicklungszusammenarbeit tätig und arbeitete dann längere Zeit in der Schoggi-Industrie. 2015 gründete ich gemeinsam mit meinem Business-Partner Eric und 36 Kakaobauern das Social Start-up Choba Choba.

Was macht euer Konzept und eure Schokolade so einzigartig?
Das Gemüse direkt beim lokalen Bio-Bauern zu kaufen ist in der Schweiz ziemlich gut möglich. Aber wie ist das bei der Schokolade? Kennst Du den Kakaobauer hinter deiner Schokolade? Genau das ist der Kern von Choba Choba. Du kaufst deine Schoggi direkt bei Alicia, Robert, Laura oder einem anderen der 36 peruanischen Kakaobauern, denen unser Unternehmen mitgehört. Und dies ohne jeglichen Zwischenhändler.

Unsere Produkte sind aber auch wegen ihrer Qualität einzigartig. Wir produzieren unseren eigenen Edelkakao und lassen ihn vom besten Schweizer Chocolatier verarbeiten. Wir wollen nicht nur die fairste, sondern auch die beste Schoggi herstellen.

Was war eure Motivation, um Choba Choba zu gründen?
Eric und ich waren über acht  Jahre in der Schokoladenindustrie tätig. Wir bereisten Kakaoregionen auf der ganzen Welt, kauften Kakao von Kleinbauern ein und machten Zertifizierungs- und Nachhaltigkeitsprogramme mit ihnen. So landeten wir im Alto Huayabamba Tal, im peruanischen Amazonasgebiet. Schnell entwickelte sich mit den peruanischen Kakaobauern eine tiefe Freundschaft. Im Jahr 2015 sagten sie uns: “Wir arbeiten nun seit acht  Jahren mit euch zusammen und haben unzählige Nachhaltigkeitsprogramme und Zertifizierungen mit euch gemacht. Aber schaut euch unsere Häuser an! Wir können die Universitäts-Gebühren unserer Kids noch immer nicht bezahlen. Wir können uns keine Krankenkasse leisten…”

Eric und ich realisierten, dass wenn wir innerhalb der normalen Schoggi-Industrie bleiben, wir die Lebensbedingungen der Bauern nie fundamental verbessern können, weil sich dort alles am Marktpreis orientiert. Dieser ist jedoch eine Farce, weil er von drei Multis dominiert wird und die Kleinbauern nichts zu sagen haben. Auch die Nachhaltigkeitsprogramme und Zertifizierungssysteme richten sich nach dem, aus unserer Sicht, unfairen Marktpreis. Sie verändern das System nicht und sind darum limitiert bezüglich Impact. Wir fühlten, dass wir aus diesem System ausbrechen mussten.

Also entschlossen wir uns dazu, etwas komplett Neues zu kreieren, bei dem Kakaobauern wirklich mitreden können und einen viel höheren Preis für ihren Kakao erhalten. Wir kündigten unsere gut bezahlten Jobs und gründeten gemeinsam mit den Kakaobauern Choba Choba.

Ihr produziert in der Schweiz. Wo ist euer Standort und wie läuft das dort ab?
Unsere Büros und unser kleiner Outlet-Shop befinden sind im Breitenrainquartier in Bern. Dort hecken wir unsere Pläne aus und steuern unsere Marketingaktivitäten. Unsere Schoggi produzieren wir bei Felchlin in Schwyz. Dabei bringen wir unsere Kakaobohnen nach Schwyz und erarbeiten mit den Experten von Felchlin unsere Rezepte.

Ist euer gesamtes Sortiment pflanzlich?
Unser Grundrezepte der dunklen Schokoladen sind reduziert aufs Minimum und komplett pflanzlich. Sie enthalten lediglich unsere eigenen Kakaobohnen, etwas Kakaobutter und Rohrohrzucker – sonst nichts! Kein Palmöl, kein Sojalecithin, kein Vanillin – einfach völlig authentisch und ehrlich. Einzig unsere Milchschoggi ist nicht nach veganer Rezeptur gemacht. Die enthaltene Milch kommt von ein paar wenigen Heumilchbauern aus dem Entlebuch.

Wieso ist es so wichtig, fair und direkt gehandelte Schokolade zu kaufen?
In der Herstellung von Kakao – dem wichtigsten Rohstoff von Schokolade – gibt es enorme Missstände. 95% des weltweiten Kakaos wird von etwa sechs Millionen Kleinbauern produziert, welche zumeist in bitterer Armut leben.

Gemäss neusten Studien schuften in Westafrika über 2.2 Millionen Kinder auf Kakaoplantagen. Zudem ist Kakao auch ein immer grösserer Treiber von Regenwaldabholzung. Als Geniesser von Schokolade interessiert es mich sehr zu wissen, wo, von wem und wie mein Produkt hergestellt wird.

Wie stellt ihr sicher, dass die Fairness stets eingehalten wird?
Es fühlt sich an als wäre Fairness und etwas bewegen zu wollen in unserer DNA verankert – dies fliesst in all unsere Aktivitäten mit ein. Kakaobauern sind bei uns Aktionäre, haben einen Sitz im Verwaltungsrat, sind in strategische Prozesse und Marketingaktivitäten mit eingebunden und bestimmen den Preis für ihren Kakao gleich selbst. Wir haben ein System aufgebaut, mit welchem wir unsere Auswirkungen auf die Kakaobauern und die Umwelt systematisch messen.

Wichtig ist uns auch eine vollkommene Transparenz. Konsumenten können selber vor Ort reisen, um sich ein Bild zu machen.

Wie gross ist euer Team und was schweisst euch zusammen?
Mittlerweile sind wir dreizehn engagierte Schoggi-Rebellen in Bern und fünf in Peru. Ein buntes Team aus verrückten und passionierten Köpfen, die nicht nur gerne gute Schokolade essen, sondern auch vor grossen Herausforderungen nicht zurückschrecken und ein Ziel verfolgen: gemeinsam die Schoggi-Welt auf den Kopf zu stellen.

Reist ihr zusammen regelmässig nach Peru, wo eure Kakaobohnen herkommen?
Eric und ich sind jeweils zwei Mal im Jahr bei den Bauern im Alto Huayabamba Tal. Wir haben aber auch eigenes Personal vor Ort und Nicolas (Managing Director der Farmer Association) ist jeweils sechs Monate in der Schweiz und sechs Monate vor Ort.

Enorm wichtig ist uns aber auch die Umkehr der Reisen: So kommen jedes Jahr Kakaobauern zu uns in die Schweiz, um ihr eigenes Unternehmen und ihre Kunden besser kennen zu lernen.

Woher genau bezieht ihr eure Rohstoffe?
Unsere Kakaobohnen produzieren wir selber im Alto Huayabamba Tal im peruanischen Amazonas. Unsere Kakaobutter kommt von der Dominikanischen Republik und der Rohrohrzucker aus Paraguay. Alle Zutaten sind Bio und Fairtrade zertifiziert.

Auf eurer Website sprecht ihr von einer Revolution. Kannst du uns mehr darüber erzählen?
Die Kakao- und Schokoladenindustrie ist ein gutes Beispiel für die ausufernde Globalisierung und ein neokoloniales System. Drei westliche multinationale Unternehmen kaufen 80% des Kakaos auf und dominieren den milliardenschweren Schoggi-Markt. Ihnen gegenüber stehen sechs Millionen Kleinbauern. Man kann sich vorstellen, dass bei einem solchen Machtungleichgewicht kein fairer Preis zustande kommt. Der Marktpreis ist aus unserer Sicht eine komplette Farce.

So riefen wir unsere Chocolate Revolution aus und wollen das Problem an der Wurzel angehen, denn für eine wirkliche Veränderung braucht es eine Veränderung des Systems, welches den Kleinbauern mehr Mitspracherecht und einen wirklich fairen Anteil am Schoggi-Business bietet. Mit Choba Choba wollen wir nun zeigen, dass ein anderes System möglich ist.

Welchen Stellenwert hat Nachhaltigkeit in eurem Privatleben?
Privat lebe ich sie auf vielen Ebenen. Ich habe kein Auto, bin soeben in eine ökologische Eigentumswohnung in einem umgebauten Bauernhof gezogen, ich kaufe meine Lebensmittel oft direkt von einem kleinen Demeter-Bauern, ich versuche Flüge zu vermeiden und natürlich versuche ich meinen Kindern diese Werte zu vermitteln.

Welche beruflichen Hürden musstet ihr überwinden?
Da gibt es enorm viele, wie in jedem Startup. Spontan kommt mir in den Sinn, dass am Anfang kaum jemand an uns geglaubt hat und wir teilweise als ziemliche Spinner abgestempelt wurden. :-)

Welche Zukunftspläne habt ihr für Choba Choba?
Wir haben letztes Jahr die Schallmauer von einer Millionen CHF Umsatz durchbrochen – und die Einkommen der Kakaobauernfamilien im durschnitt um 2’000 CHF pro Jahr gesteigert. Wir sind auf einem guten Weg, aber wir wollen die Schoggi-Revolution noch viel weiter treiben und mehr Impact generieren. Dazu wollen wir vor allem unsere Community aus Kakaobauern und Schoggi-Fans weiter wachsen lassen – in der Schweiz und irgendwann einmal auch international.

Herzlichen Dank, lieber Christoph, für das spannende Interview!

 

Kennst du die schokoladigen Leckereien von Choba Choba bereits? Achtest du beim Schokoladenkauf auf Nachhaltigkeit? Verrate es uns in den Kommentaren.


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