Bei Veenity dabei seit November 2018

Eine Revolution ohne Guerilla: Das schafft Remo alias Ché VEGara

Im Interview zeigt sich der Unternehmer Remo Scholz entspannt und sorgt immer wieder für Lacher. Er erzählt von seiner Einstellung und seinem Werdegang. In seinem Leben schafft er eine beeindruckende Balance zwischen Bodenständigkeit und Losgelöstheit von konventionellen Normen.

Remo, du bist auch bekannt als Ché VEGara. Was ist deine Revolution?
Meine Revolution ist grundsätzlich den Veganismus auf eine friedliche Art und Weise voran zu bringen. Weg von Traditionen hin zu einer feinfühligen und einfühlsamen Ernährungsweise.

Wie alt bist du und woher kommst du?
Ich verschweige mein Alter immer (lacht). Ich habe Jahrgang 75 und wo komme ich denn her? Ich bin irgendwie Weltenbürger. Ich fühle mich nicht zu einer Nation hinzugezogen im Sinn davon, dass es mir die Staatsangehörigkeit wahnsinnig wichtig wäre. Ich bin in der Schweiz geboren, aber ich fühle mich als Teil von dieser Welt, als Erdenbürger und möchte möglichst nicht auf eine bestimmte Nationalität reduziert werden.

Hast du ausländische Wurzeln?
Nein, ich bin wurzelfreier Schweizer. Das ist jedoch nicht relevant für mich. Natürlich bin ich dankbar dafür, das Glück gehabt zu haben, in der Schweiz zur Welt zu kommen. Dadurch konnte ich den Weg einschlagen, den ich gegangen bin. Dieses Privileg wäre mir nicht in jedem Land zuteil geworden.

Was hast du gelernt?
Ich bin gelernter Koch. Die Lehre absolvierte ich in einem traditionellen Restaurant im Kanton Aargau ohne vegetarischen oder veganen Schwerpunkt. Zum Betrieb gehörte eine Metzgerei. Ein Paar führte das Unternehmen. Meine Chefin trug die Verantwortung für das Restaurant und ihr Mann für die Metzgerei. In meiner Lehrzeit fühlte ich mich sehr behütete.

Wie bist du mit der Fleischproduktion umgegangen?
Immer wenn ein Kalb oder ein Rind ins Schlachthaus transportiert wurde, litt ich und das Tier tat mir sehr leid. Mit meinen 16 Jahren konnte ich leider die Verknüpfung noch nicht herstellen, dass ich dieses System unterstütze, weil ich Fleisch esse.

Ich erinnere mich auch daran, dass ich in der Lehre Hummer hätte zubereiten müssen. Doch ich brachte es nicht übers Herz, das lebendige Krebstier ins kochende Wasser zu werfen. Ich weigerte mich im Endeffekt, was aber keine Konsequenzen für die Tiere hatte - sie wurden dann von einer anderen Person im heissen Wasser gekocht.

Was war der nächste Schritt nach dem Lehrabschluss?
Nach der Lehre absolvierte ich ein Praktikum in einem Tierheim. Danach machte ich nochmals eine Ausbildung und wurde Sozialpädagoge. Lange hatte ich nichts mehr mit Küche und Kochen zu tun bis ungefähr Anfang 2009. Damals fand ich eine Anstellung in der Arbeitsintegration als Betriebsleiter eines Restaurants und kombinierte die beiden gelernten Berufe miteinander.

Ich schnupperte wieder Gastro-Luft und sammelte so erste Catering- Erfahrung. Das war noch nicht vegan. Schlussendlich war das der Anstoss zur Entscheidung, mich beruflich wieder in der Gastronomie nieder zu lassen.

Anfang 2013 kam der Wunsch auf, dass ich beruflich etwas Veganes machen möchte. Und ja, jetzt im Oktober 2018 feiere ich mein fünfjähriges Che VEGara Jubiläum.

Wann und wieso kam dein zweites Unternehmen Herr Vegara ins Spiel?
Herr Vegara ist die Schwesterfirma von Che VEGara Catering. Ich wollte einen veganen Milchreis auf den Markt bringen und hatte verschiedene Ideen wie und mit wem ich das bewerkstelligen könnte.

Die konkrete Idee zu Herr Vegara entstand in den Köpfen von verschiedenen Leuten vor etwa zwei Jahren, im Winter 2016.

Einer der kreativen Köpfe war Mirjam de Boni von Hellovegan in Uster. Sie hat viele tolle weitere Projekte am laufen, wie zum Beispiel den Weihnachtsmarkt auf dem Hof Narr sowie verschiedene Stammtische. Sie war ganz am Anfang dabei und half massgeblich mit, den veganen Milchreis im Jahr 2017 auf den Markt zu bringen.

salad dressing and vegan milk rice from the brand herr vegara
Die leckeren pflanzlichen Produkte von Herr Vegara: Salatdressing und Milchreis

 

Was hat es auf sich mit dem Ara von der Story auf deiner Homepage? Gibt es diesen wirklich?
Herr Vegara entstand zusammen mit Lilly Vanilly. Sie ist meine Hausgrafikerin und macht viele Sachen für meine beiden Unternehmen. Wir baten sie ein passendes Logo zu entwerfen. Darauf kam sie mit dieser Idee vom Papagei, was uns sehr begeisterte.

Die Idee liess sich wunderbar zu einer spannenden  Story verarbeiten. Der kubanische Ara bricht aus seinem Käfig aus und begibt sich in die weite Welt auf Ideensuche. Also, es gibt keinen Ara, der hier in meinem Homeoffice sitzt und krächzt (lacht). Das ist eine rein fiktive Figur.

Hast du Kuba besucht?
Nein, ich war selber nie da.

Aber du warst sonst viel auf Reisen?
(lacht) Man vermutet es vielleicht nicht, doch ich bin gar nicht so ein Weltenbummler. Ich gehe wahnsinnig gerne in die Ferien. Pausen vom Arbeiten gönne ich mir immer wieder mit Genuss. Als Selbständiger mache ich sehr viel Urlaub. Meine Frau und ich haben zwei Hunde und es lebt ein Kind bei uns.

In Norddeutschland sind wir schon fast ein bisschen sesshaft geworden und fahren eigentlich immer dort hin. Wir jetten nicht um die Welt und fliegen nach Thailand oder Australien. Lieber tuckern wir mit der Familie im Auto in den Norden. Dort unternehmen wir Ausflüge in Städte wie zum Beispiel Hamburg oder geniessen das Meer.

Inwiefern hat der kubanische Revolutionär Ché Guevara dein Leben geprägt?
Also Ché VEGara prägte mich definitv stärker als Ché Guevara. Der berühmte kubanische Revolutionär war in meinem Freundeskreis von meiner Jugendzeit präsent. Doch ich identifizierte mich nicht sehr stark mit ihm, weil ich mich nicht intensiv mit ihm auseinandersetzte. Ich wusste, dass er existiert und sich gegen die Reichen aufbegehrt hatte.

Irgendwie lief mir diese Geschichte wieder über den Weg, als ich über die Gestaltung meiner Firma sinnierte. Man sollte sich mit seinem Unternehmen identifizieren und hinter seinem Tun stehen können. Ich fragte mich daher, ob ich der Typ bin, der im weissen Hemd hinter seinen Speisen steht oder ob ich eher derjenige bin, der ein bisschen freier sein möchte innerhalb der ganzen Gastro-Regeln.

Ich weiss, in welchen Strukturen ich mich wohl fühle und in welchen nicht. Also fiel der Entscheid auf eine Form der Gastronomie, die eine gewisse Non-Konformität lebt in ihrer Gestaltung, dem Auftritt und dem gesamten Erscheinungsbild.

Es ist nämlich so, dass ich in meinem Leben zwei Geistesblitze hatte; erstens meine Frau zu heiraten und zweitens den Einfall zu “Che VEGara”.

Was inspiriert dich zu neuen Kreationen im Catering?
Ich überlege mir, was ich von früher vermisse und komme so auf Ideen. Beim Entscheiden höre ich auf meinen Bauch. Ich verfolge das Ziel, ein Brückenangebot zu bieten. Die meisten meiner Kunden leben vegan oder sind demgegenüber offen. Manche wollen es ausprobieren, weil sie neugierig sind.

Die Gäste vom Kunden sind jedoch häufig nicht vegan und sehr kritisch oder sogar anti-vegan eingestellt. Dort geht es mir darum, eine Mischform zu finden, damit mein Angebot sowohl die vegan und die nicht vegan lebenden Menschen glücklich macht und im Idealfall für positive Überraschungen sorgt. Es gibt mittlerweile sehr gute “Ersatzprodukte” auf dem Markt, die das Brückenbauen erleichtern.

Was ist deine Motivation?
Am wichtigsten ist mir die Kundenzufriedenheit. Die zusätzliche Challenge für mich stellt die Überzeugung pro vegan von Menschen dar, die negativ eingestellt sind. Ich will Vorurteile abbauen. Wenn Leute sagen, sie hätten nicht gemerkt, dass das vegan war oder wenn es einfach fantastisch schmeckt, kann das in meinen Augen eine Änderung der Einstellung bewirken.

Wann gilt für dich das Ziel mit Che VEGara als erreicht?
Ich will verschiedene Leute erreichen, die das vegane Catering ernst nehmen. Es soll als ein eigenes Business allgemein Akzeptanz finden.

Und was ist das Ziel für Herr Vegara?
Das Ziel für Herr Vegara unterscheidet sich ein bisschen. Hier soll ein Brand für vegane Convenience Produkte entstehen. Ich will Vorurteile abbauen, die sagen, dass vegane Produkte teuer sind. Auf der Hand liegt, dass Bio-Produkte bessere Verkaufszahlen erzielen als nicht-Bio. Der Bio-Markt ist interessiert an innovativen veganen Produkten aus der Schweiz. Die  Challenge liegt darin, dass das Preis-Leistungsverhältnis ausgewogen bleibt.

Ich möchte, dass jeder weiss, der die Marke Herr Vegara sieht: Das ist vegan. Ich will einzigartige Produkte in toller Qualität produzieren.

Was kommt als nächstes?
Wir sind dabei ein neues Produkt zu lancieren - ein veganes Griessköpfli in zwei Sorten in Bio-Qualität. Etwa im Dezember 2018 / Januar 2019 wird es auf dem Markt erhältlich sein.

 
Vielen Dank für deine Offenheit Remo! Uns läuft jetzt schon das Wasser im Mund zusammen beim Gedanken ans Griessköpfli. Wir freuen uns darauf.

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Interview: Linda Schenker

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