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exurbe COSMETICS: Schön sein mit gutem Gewissen

Mitgründer Bernd Aerni plaudert im Interview mit uns über sich und seine Erfahrungen mit Nagellack sowie anderen Kosmetikprodukten. Weiter verrät er uns, was hinter seiner Marke exurbe COSMETICS steckt und warum er auf tierische Komponenten verzichtet.

Bernd, erzähle uns bitte etwas zu dir: Woher kommst du und was ist dein Background?
Mein Background ist E-Commerce, also alles, was mit dem Handel über das Internet zu tun hat. Ich studierte BWL an der Universität Liechtenstein und schloss dort den Master of Science ab.

Ich wuchs in der Stadt Bern auf und wohne jetzt schon fast 20 Jahre in Zürich. Unser Hauptsitz befindet sich im Zürcher Seefeld. 

Wer war bei der Gründung von exurbe COSMETICS dabei und wie ist die Idee entstanden?
Ich bin zusammen mit meinem Studienkollegen Philip Bill ans Werk gegangen. Wir lernten uns an der Uni kennen. Auf dem gemeinsamen Weg zu den Vorlesungen grübelten wir immer darüber nach, was für ein Geschäft wir starten könnten. Wir wollten uns auf Bereiche konzentrieren, in denen wir beide uns auskennen. Und da ergab das Eine das Andere.

Unser Entscheid fiel darauf, dass wir tierversuchsfreie Produkte auf den Markt bringen wollten. Je intensiver wir uns mit dem Thema beschäftigten, desto länger wurde die Liste der uns bekannten tierische Inhaltsstoffen, welche in Kosmetika enthalten sein können. Da gibt es zum Beispiel Keratin, Lanolin oder Karmin.

Wir dachten, eigentlich ist es Blödsinn, wenn wir komplett auf Tierversuche verzichten, aber auf der anderen Seite tierische Komponenten verarbeiten. Das wollten wir nicht und deshalb sind alle unsere Produkte komplett vegan.

Was war eure Motivation? Ernährt ihr euch pflanzlich?
Nein, wir sind beide nicht vegan. Aber wir bemerkten, dass ein Bedarf besteht. Kosmetik ist etwas, was man nicht unbedingt braucht. Es ist ein Luxusgut. Viele Kundinnen, ein Teil von ihnen ernährt sich vegetarisch, wollen einen Beitrag leisten, indem sie bei Kosmetikprodukten auf Nachhaltigkeit und die Vermeidung von Tierleid achten.

Wie gross ist euer Team bei exurbe COSMETICS?
Im Büro sind wir im Moment drei bis vier Personen. Im Laden beschäftigen wir eine Festangestellte und vier bis fünf Aushilfen.

Findet euer Hauptgeschäft über Online-Kanäle statt?
Vor allem über die drei Länder Schweiz, Deutschland und Österreich verteilt, geschieht viel online. In der Schweiz sind unsere Handelspartner wichtig. Wir arbeiten beispielsweise mit Changemaker zusammen und mit Apotheken und Drogerien, zusätzlich zum  Verkauf in unserem eigenen Laden im Zürcher Hauptbahnhof.

Wie ist die Aufgabenverteilung innerhalb des Unternehmens?
Philip kümmert sich vermehrt um die Finanzen und um die Buchhaltung. Ich bin zuständig für das Personalwesen und die Rekrutierung. Das Marketing haben wir aufgeteilt: Philip kümmert sich um Facebook und ich mich um das Google Marketing wie Adverts. Eine total strikte Trennung geht nicht, da wir ein kleines Unternehmen sind.

Inwiefern hattest du vor exurbe mit Kosmetik zu tun?
Zwischen meinem Bachelor- und Master-Studium konnte ich für ein führendes Coiffeur-Unternehmen im Sinne eines Corporate Ventures einer der heute führenden Online-Shops für professionelle Haarpflege aufbauen. Auch dort bin ich mit dem Unternehmen auf der grünen Wiese gestartet - hatte also die Gelegenheit Erfahrung im Aufbau einer Firma zu sammeln und ersten Kontakt mit der Kosmetikbranche zu machen.

Wie lange betreibt ihr exurbe bereits?
Wir sind 2013 gestartet, während wir unsere Masterarbeiten schrieben. Die Idee nahm Form an. Zu Beginn wussten wir noch nicht genau, wo wir hin wollten und uns fehlte ein gewisser Fokus. Anfang 2014 betraten wir mit den Produkten den Markt. Seither haben wir sie  laufend weiterentwickelt.

Wie ist das für dich als Mann täglich mit Kosmetik-Produkten konfrontiert zu sein?
Auf dieses Thema werden wir unter anderem an den Events häufig angesprochen. Irgendwie erstaunt mich das. Ich finde meinen Beruf gar nicht so sehr geschlechtsspezifisch. Ob wir Kosmetikprodukte für Männer oder für Frauen herstellen, spielt in meinen Augen keine so grosse Rolle, da sich das Geschäft immer etwa gleich gestaltet.

Bernd at the exibition Vegana with its colourful products
Bernd präsentiert an der Vegana seine Produkte wie Lipgloss und Nagellack.


Viel dreht sich darum, die Werbung, die Verpackung und den Auftritt nach Aussen zu gestalten. Diese und weitere Faktoren setzen kein bestimmtes Geschlecht voraus.

Woher kommt dein Interesse an veganer Kosmetik?
Ich bin auch der Meinung, dass es Sinn macht Tierleid zu verhindern. Ausserhalb der Ernährung ist es für jedermann/frau besonders einfach einen Beitrag an das Tierwohl zu leisten. Es gibt genügend gute Alternativen. Vegane Produkte zu kaufen ist in diesen Bereichen in keinem Fall eine Einschränkung.

Kannst du ein paar Beispiele von typischen tierischen Inhaltsstoffe nennen?
Der rote Farbstoff Karmin stammt von der Cochenilleschildlaus . Da dieser ein sehr schönes Rot ergibt, wird er häufig in der Kosmetik, insbesondere für Lippenstift und Nagellack sowie für Lebensmittel, verwendet. Bei uns wird Karmin durch verschiedene Eisenminerale oder Farbstoffen aus roten Kartoffeln ersetzt.

Sehr typisch ist auch die Verwendung von Bienenwachs und Gelée Royale. Aber auch Bestandteile von Fischen, wie Schuppen, werden verwendet. Darunter fällt der Stoff Squalan. Diesen gewann man früher aus der Leber von Haien. Es gibt ihn auch auf pflanzlicher Basis.

Testest du die Produkte an dir selbst?
Ja, natürlich. Wir haben schon öfter Nagellack getestet sowie Mascara und Foundation (Puder). Mittlerweile können wir gut vergleichen, weil wir schon viele Tests hinter uns haben.

Bei gewissen Produkten ist es einfacher für uns, ein Urteil zu fällen. Zum Beispiel beim Nagellack. Wir können gut beurteilen, ob er sich schön auftragen lässt, ob die Farbe passt und ob er schön glänzt. Was wir nicht beurteilen können ist, wie gut und damit wie lange er hält.

Wie wichtig ist der Rat von weiblicher Seite?
Sehr wichtig. Wir sind angewiesen auf verschiedene Meinungen von Frauen, welche die Produkte jeden Tag gebrauchen. Wir brauchen die Rückmeldung der Trägerinnen, denn sie können natürlich besser beurteilen, ob sich ein Produkt auf Dauer angenehm anfühlt oder nicht. Da kommen dann unsere Partnerinnen und unsere Mitarbeiterinnen zum Zuge.

Bei Mascara zum Beispiel arbeiten wir auch mit Makeup-Artisten zusammen, neben unseren bereits erwähnten Testerinnen, und diese geben uns ebenfalls Input. Wir treffen eine Vorauswahl basierend auf Inhaltsstoffen und Farben. Danach folgt die Feinauswahl, die von den Frauen getroffen wird.

Gab es schon lustige Situationen bei den Tests?
Mittlerweile sind wir abgehärtet. In den Anfängen wollte Philip mal mit Handschuhen aus dem Büro. Er hatte sich alle 10 Finger mit verschiedenen Farben angemalt und danach stellten wir fest, dass wir keinen Nagellackentferner im Büro hatten. (lacht) Mittlerweile wäre uns das egal.

Was gefällt dir am besten an deiner Arbeit?
An meiner Arbeit gefällt mir, dass sie vielseitig ist und kreative sowie analytische Elemente vorweist. Teilweise sitze ich im Büro und dann bin ich wieder direkt an der Front, um unsere Produkte zu präsentieren.

Woher kommt der Name?
Der Name ist aus dem Lateinischen abgeleitet und bedeutet “aus der Stadt kommen”. Das passt, weil wir urbane und progressive Kundinnen ansprechen wollen.

Was ist eure Philosophie in einem Satz?
exurbe steht für vegane tierleidfreie Kosmetik. Tierleid vermeiden ist eines der Kernelemente unserer Marke.

Ist die Verwendung tierischer Produkte und Tierversuche sehr verbreitet in der Branche?
Ja, auf dem Markt gibt es ganz viele. Die Herausforderung für uns steckt darin, gute Alternativen zu finden. Inhaltsstoffe wie Bienenwachs oder Karmin besitzen hervorragende kosmetische Eigenschaften aus Sicht der Performance. Es gilt, diese zu ersetzen mit Stoffen, welche die Aufgaben genauso gut erfüllen.

Was bedeuten die “free”-Bezeichnungen wie zum Beispiel “5 free” oder “7 free”?
Diese Zahlen stehen für den Verzicht auf bestimmte Inhaltsstoffe. Unser Nagellack entspricht den Standards von 7 free, was ausweist, dass wir neben dem Verzicht auf fünf Giftstoffe auch auf tierische Bestandteile und Tierversuche verzichten.

Hands of a woman holding the nail colour from exurbe
Einer der qualitativ hochstehenden 7 free Nagellacke von exurbe COSMETICS.


Wie testet ihr?
Wir führen sogenannte Invitro-Tests, was so viel wie Tests im Glas bedeutet, durch. Unsere Produkte werden mit Kulturen im Labor getestet, die ähnlich wie menschliche Zellen reagieren. So kann eine allfällige Unverträglichkeit festgestellt werden. Es gibt auch Inviv-Tests. Da Testen wir mit Probanden die Wirksamkeit der Formulierung.

Was inspiriert dich zu neuen Produkten?
Das immer wiederkehrende positive Feedback von den Kundinnen. Das ist, was ich an den Events gerne mag, dort stehen wir im direkten Kontakt mit den Anwenderinnen und sie sagen uns, was sie suchen und was sie vermissen im Sortiment. Daraus ziehen wir neue Ideen. Wir sind ein kleines Label und haben in dem Sinn immer Lücken, die es zu schliessen gilt.

Wir halten auch stets die Augen offen und beobachten den Markt, um Neues zu entdecken, was die breite Masse noch nicht erreicht hat. Wir reagieren jedoch nicht nur, sondern agieren auch. Deshalb bringen wir im Dezember ein neues Produkt heraus. Es handelt sich um etwas Spezielles, das es schon mal gegeben hat, das aber nicht mehr viele Leute kennen.

Ich schätze, es handelt sich momentan noch um ein Geheimnis?
Ja, worum es sich handelt, kommt mit dem Markteintritt raus.

Was ist dein Ziel mit exurbe?
Das kurzfristige Ziel besteht darin, das Produktsortiment zu ergänzen und in Österreich und Deutschland Handelspartner zu finden. Mittelfristig wollen wir in weiteren Ländern in Europa tätig sein und langfristig auf dem ganzen europäischen Markt präsent sein.

exurbe COSMETICS soll DIE vegane Kosmetiklinie für Frauen werden. Ziel ist Produkte für den ganzen Körper von Kopf bis Fuss anzubieten. Momentan sind wir vorwiegend im dekorativen Segment tätig. Wir würden gerne noch mehr in die Bereiche Körperpflege und Haarpflege eintreten.

Was ist der besondere Benefit für die Kundin?
Wenn wir zu unserer Konkurrenz schielen, sehen wir oft “vegan friendly”, was bedeutet, dass manche Produkte tierfrei sind und andere wiederum nicht. Für jemanden, der sich vegan oder vegetarisch ernährt, bieten wir ein bedenkenloses Shopping-Erlebnis an. Denn bei uns gibt es keine Ausnahmen. Wir folgen unserer Philosophie mit all unseren Produkten.

Beim Essen ist es offensichtlicher, ob etwas vegan ist oder nicht. Bei Kosmetik muss man sich gut mit Inhaltsstoffen auskennen, um das herauszufinden. Vegan lebende Kundinnen schätzen es, dass sie bei unseren Produkten alles kaufen können. Dieses Feedback erhalten wir an den Events immer. Ausserdem wird die Vielfalt bei uns geschätzt.

Ich lebe zwar nicht vegan, doch ich verstehe den Sinn hinter dem Lebensstil und unterstütze  das Thema. Für das Tierwohl und den Umweltschutz macht die vegane Lebensweise auf jeden Fall Sinn. Mit exurbe COSMETICS leisten wir einen Beitrag.


Was denkst du über die Verwendung von tierischen Komponenten in Körperpflege-Produkten und Kosmetika? Sage es uns in den Kommentaren! Oder teile uns deine Meinung mit, indem du den Artikel votest.

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Autorin: Linda Schenker

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