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In die Pfanne statt in die Tonne – die Restessbar Solothurn

Esswaren, die nicht mehr ganz frisch sind, wandern aus dem Supermarkt-Regal direkt in die Tonne. So entsteht tonnenweise Food Waste. Sogenannte Restessbars wirken diesem Phänomen entgegen. Hinter der Restessbar in Solothurn stecken Marion und Laura. Erfahre im Interview, wie das Konzept funktioniert und wie du mitmachen kannst.

Hallo Marion und Laura. Erzählt uns etwas über euch: Woher kommt ihr und was macht ihr beruflich?
Marion: Ich bin 40 Jahre jung und habe zwei Söhne. Vor zwölf Jahren sind wir von Sursee nach Biberist gezogen. In meiner Freizeit engagiere ich mich aktiv für die Tiere und unsere Umwelt. Daher lebe ich so gut es geht vegan. Ich arbeite in einem Wohnheim für Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Ich liebe meinen Beruf. Die Leidenschaft dafür füllt meine Tage und auch mein Seelenleben gut aus.

Laura: Ich bin zurzeit in Zuchwil wohnhaft und arbeite als Betreuerin in der Solodaris Stiftung.

Was hat euch auf die Idee gebracht, die Restessbar ins Leben zu rufen?
Marion: Ich habe auf Facebook über die Restessbar Olten gelesen. Da mir das Thema Foodsave schon ewigs im Kopf lag und ich eine spontane Macherin bin, gründete ich die Facebook-Gruppe Restessbar Solothurn. Danach ging es dann nicht mehr so schnell ;-).

Laura: Marion hat mir begeistert von den Restessbars, die in der Schweiz bereits existieren, erzählt. Sie fragte mich an, ob ich bereit wäre dieses Projekt mit ihr in Solothurn zu verwirklichen.

Wo befindet sich die Restessbar?
Laura: Im alten Spital Solothurn am oberen Winkel 2.

Wie funktioniert das Konzept?
Laura: Der Verein Restessbar Solothurn engagiert sich ehrenamtlich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Die teilweise abgelaufenen Waren stammen aus der Region von Supermärkten und Detailhandelsgeschäften. Lebensmittel können einige Tage über das Haltbarkeitsdatum hinaus gefahrenfrei gegessen werden.

Wir prüfen die Qualität und kümmern uns um den Nachschub der Esswaren. Der Verein füllt den Kühlschrank regelmässig auf und entsorgt die nicht mehr geniessbaren Esswaren sachgerecht.

Im Foyer des Alten Spitals Solothurn, in der britischen Telefonzelle, befindet sich der Kühlschrank und das Regal mit den Lebensmitteln. Der Zugriff ist gesichert mit einem Code. Unter solothurn@restessbar.ch oder 076 418 17 81 kannst du den Code anfordern. Dann suchst du dir aus, was dir gefällt und ab geht es in die Küche. Die Lebensmittel sind kostenlos.

Unsere Öffnungszeiten richten sich nach den Betriebszeiten des Altes Spitals Solothurn.

Wie viele Leute arbeiten bei euch mit?
Laura: Dies ändert sich immer wieder, zurzeit sind wir dreizehn Personen, die Aufgaben rund um die Restessbar wahrnehmen.

Woher kommen die Esswaren?
Laura: Wir beziehen regelmässig Waren von

  • ALDI Solothurn
  • ALDI Biberist
  • Stadtrösterei Solothurn
  • Kurt Derendingen

Und diese Geschäfte geben uns Bescheid, wenn sie etwas für die Restessbar haben:

  • Burki Getränke
  • Chocola Solothurn
  • Grüeni Chuchi Solothurn
  • NakedFood
  • Veeconomy AG
  • Restaurant zum Wirten
  • KIOSK Solothurn
  • AVEC Westbahnhof

Welche Art von Nahrungsmitteln sammelt ihr?
Laura: Lebensmittel, deren Lagerung gemäss Herstelleranweisung gewährleistet werden kann, können an einer Restessbar angeboten werden. Darunter fallen generell Lebensmittel, welche keinen Vermerk für „Verbrauchen bis“ tragen.

Leicht verderbliche Lebensmittel, die eine intakte Kühlkette benötigen, dürfen nur dann angeboten werden, wenn die Lagerung gemäss Herstelleranweisung garantiert und eine lückenlose Temperaturkontrolle dokumentiert wurde.

Die Aufteilung erfolgt nach fünf verschiedenen Kategorien. In Absprache mit dem Lebensmittelinspektor wird entschieden, welche der Kategorien in der jeweiligen Restessbar angeboten werden dürfen. Immer ausgeschlossen sind alkoholische Getränke.

Generell bieten wir in Solothurn Gemüse, Früchte, alkoholfreie Getränke, Brot, Backwaren, Berliner, Nuss-/Mandelgipfel und Brötchen mit Schokolade, Trockenprodukte (Reis, Teigwaren, etc.) und Milchprodukte (aufgedruckte Herstellerangabe zwingend) an.

Für wen tust ihr das?
Laura: Wir wollen uns aktiv gegen Food Waste einsetzen. Rund ein Drittel der Lebensmittel landen in der Schweiz im Müll, was jährlich rund zwei Millionen Tonnen Esswaren entspricht. Unser Ziel ist es, den Leuten in und rund um Solothurn Zugang zu nicht mehr verkäuflichen Nahrungsmitteln, die noch geniessbar sind, zu verschaffen.

Marion: Und wir tun das für unsere wunderbare Welt, der wir doch ein bisschen mehr Sorge tragen sollten.

Gibt es ein Kässeli oder etwas in der Art für freiwillige Beiträge?
Laura: Ja, wir haben ein Konto für Spenden eingerichtet. Wir schätzen Ideen und Feedback sowie personelle und finanzielle Unterstützung. Melde dich unter der oben genannten Rufnummer, per Mail restessbar@solothurn.ch oder über Facebook. Wir freuen uns auf dein Engagement.

Falls du uns einfach finanziell unterstützen möchtest, kannst du das über folgendes Konto tun:


Restessbar Solothurn
Fritz Käserstrasse 14a
4562 Biberist

IBAN: CH65 8093 8000 0075 5794 9
Raiffeisen Wasseramt-Buchsi Genossenschaft
Hauptstrasse 37
4552 Derendingen


Welche Situation in der Restessbar magst du am liebsten?
Marion: Die Gespräche mit den Menschen, welche unser Angebot nutzen, sind immer wieder schön und erwärmen mein Herz.

Laura: Wenn unser Aufwand geschätzt wird: Menschen, die uns sagen, dass sie den Sinn des Projektes verstehen und ihre Dankbarkeit ausdrücken oder wenn wir Nachrichten erhalten wie zum Beispiel ein „Merci viu mou“.

Habt ihr einen Tipp, um Food Waste zu vermeiden?
Marion: Ich gehe mehrmals in der Woche einkaufen. Dabei greife ich bei Aktionen oder drei für zwei Angeboten nicht zu. Das sind meistens Grosspackungen, was zu Fehleinkäufen und Foodwaste führt. Wir haben manchmal das Gefühl, ach, das könnte ich diese Woche noch kochen. Dann kommt etwas dazwischen und schwupps, die Lebensmittel entsprechen nicht mehr unserem Frische-Standard und werden weggeworfen.

Welches ist dein sehnlichster Wunsch für die Zukunft?
Marion: Ich wünsche mir, dass wir Menschen in Nächstenliebe handeln. Dass alle aufeinander aufpssen und sich kümmern. Dies schliesst alle Spezies ein. Ich wünschte mir, dass wir Menschen nicht mehr so geil auf Macht wären. Wenn dieses Machtgefühl weg wäre, dann würde Frieden herrschen, niemand müsste mehr Angst haben oder Hunger leiden.

Vielen Dank für eure ehrlichen und offenen Antworten. 


Wenn du die Restessbar auch eine tolle Sache findest, dann verfolge den Verein auf Instagram oder trete der Facebook-Gruppe bei.


Interview: Linda Schenker

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