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Rory Corrigan, der Überflieger

Er arbeitet als Instruktor im Windkanal und als Skydive Master. Im Interview packt er die schönsten und die schlimmsten Momente seiner Karriere aus, erzählt von seinen Wünschen an die Welt, die er oft von oben sieht und warum er schon seit zwanzig Jahren einen pflanzenbasierten Lebensstil verfolgt.

Rory, woher kommst du, wie alt bist du, was arbeitest du?
Ich bin außerhalb von Philadelphia aufgewachsen, bin dann für ein Jahr nach Nordkalifornien gezogen und lebe seit neun Jahren in der Nähe von Houston, Texas. Ich bin derzeit 38 Jahre alt.

Meine hauptsächliche Tätigkeit ist Instruktor für vertikale Windkanäle am iFLY Houston Memorial. Als FAA (Federal Aviation Administration) Master Fallschirmspringer mache ich auch gelegentlich Tandem- und Schülersprünge im Zentrum von Skydive Spaceland.

Wann hast du mit dem Fallschirmspringen angefangen?
Ich habe im Juni 2003 mit dem Fallschirmspringen begonnen. Ein Freund organisierte ein Skydive Erlebnis mit einer grossen Gruppe von Arbeitskollegen und lud mich ein mitzukommen.

Ich bin der Einzige aus der Gruppe der 14 von damals, der noch aktiv springt. Vor einigen Jahren habe ich sogar mit dem Freund, der mich zum Skydiven gebracht hat, einen Refresher Jump gemacht. Das war irgendwie seltsam.

Wie hast du deine Leidenschaft gefunden?
Während ich das Studentenprogramm durchlief, genoss ich es sehr, zu springen. Doch sobald ich die Erlaubnis bekam, ganz alleine zu springen, öffnete sich mir eine ganz neue Welt.

A group of Skydivers in the sky making formations
Für solche Formationen braucht es die totale Körperkontrolle jedes einzelnen Skydivers.

 

Das Gefühl der Freiheit, das bei den ersten Sprüngen über mich hereinbrach, war elektrisierend. Ganz alleine in der Luft zu schweben ohne Einschränkungen - ausser diejenige der Schwerkraft - war unvergleichbar mit allem, was ich je zuvor erlebt hatte. Je mehr ich lernte, desto mehr wollte ich wissen und können.

Die Welt muss schön sein von oben. Bist du süchtig danach?
Ich hatte das Glück in den Vereinigten Staaten und einigen anderen Ländern wie Island, Australien, Norwegen und Kanada zu springen. Jedes ist einzigartig und auf seine Weise atemberaubend. Mir hat sich zum Beispiel ein Gletscher ins Gedächtnis gebrannt, der die isländische Landschaft bedeckt und den ich durch die Wolken immer wieder sah. Es gibt einfach nichts vergleichbares.

Vertraust du deinem Material?
Die Sicherheit der Ausrüstung hat in den letzten Jahren starke Fortschritte erzielt. Fallschirmspringen wurde zu einem Sport, der so sicher ist, wie man es sich wünscht.  

Wie bereitest du deine Kunden auf einen Sprung vor?
Meine Hauptaufgabe ist es, mich mit dem Schüler zu verbinden, damit er möglichst entspannt an die Sache herangeht. Die anderen Teammitglieder nehmen die Rolle des schlechten Witz-Erzählers ein, klären den Schüler über den Prozess auf und andere lenken von dem ab, was passieren wird.

Wenn jemand Fortschritte macht und weiter lernen möchte, geht es erst einmal darum, dass sich der Schüler Schritt für Schritt jede neue Fertigkeit aneignet. Es gilt die Motivation hoch zu halten, damit der Erfolg sich einstellt.

Hast du manchmal Angst?
Ein gesundes bisschen Angst hält dich wach, es hilft dir, dich auf deine Umgebung einzustellen und sicher zu bleiben. Ein gelegentlicher Schuss Adrenalin hält das Leben spannend (lacht).

Hast du bisher gefährliche Situationen erlebt?
Ja, davon gab es bereits ein paar über die Jahre. Ich habe einmal meinen Fallschirm sehr niedrig geöffnet, etwa auf 550 Meter über dem Boden. Damals hatte ich noch nicht so viel Erfahrung. Normalerweise öffne ich den Schirm bevor ich die 1000 Meter Grenze erreiche.

Rory in the sky and it seems he stands on a cloud
Hier sieht es aus, als würde Rory auf einer Wolke stehen.

 

Dann hatte ich zwei beängstigende BASE-Sprünge direkt nacheinander. Beim ersten öffnete sich der Schirm sehr langsam und beim anderen verflog ich mich nachts versehentlich zwischen den Stützdrähten einer hohen Antenne.

Und einmal brach ich mir die Wirbelsäule, nachdem ich ein waghalsiges Landemanöver mit meinem persönlichen Fallschirm durchgeführt hatte, der winzig und schnell ist. Davon habe ich mich dank der modernen medizinischen Wissenschaft vollständig erholt!

Gibt es noch andere Sportarten, für die du dich begeistern kannst?
Ich habe in meinen jungen Jahren Fussball gespielt. Als ich mit dem BASE-Jumpen begann (das ich seit einigen Jahren auf Eis gelegt habe), entdeckte ich eine Liebe zum Klettern. Leider komme ich nicht so oft dazu, wie ich es gerne möchte. Und ich geniesse natürlich das Bodyflying, sonst hätte ich meinen Job im Windkanal nicht angenommen.

Wie lange lebst du schon einen pflanzlichen Lifestyle?
Ich wurde im Mai 1997 Vegetarier und genau ein Jahr später im Mai 1998 Veganer. Die Zeit war geprägt von der Identifizierung versteckter tierischer Produkte in den Nahrungsmitteln. Doch ich zog es durch und blieb standfest dabei.

Heute, also zwanzig Jahre nach dem Wechsel, ist es so unglaublich einfach, eine vegane Alternative zu fast jedem tierischen Produkt zu finden. Es ist leicht, ein Leben zu führen, das freundlicher zur Erde und zu jedem Lebewesen auf ihr ist.

Kochst du oft selber?
Wenn ich zu Hause bin, koche ich gerne, wenn es mein voller Terminkalender zulässt. Dabei gehe ich nicht nach Rezept, sondern greife einfach nach den Zutaten und Gewürzen auf die ich Lust habe und lasse meiner Kreativität freien Lauf. Frisches Obst und Gemüse lassen mein Herz singen und ich fühle mich immer besser, wenn ich sozusagen meinen Körper mit gutem und sauberem Treibstoff versorge.

In meiner Speisekammer finden sich normalerweise Nüsse, Hülsenfrüchte und Konservendosen und eine breite Palette an Gewürzen, um die Gerichte interessant zu gestalten. Ich kann manchmal aber auch ein Junk Food Veganer sein. Doch mein aktiver Job verträgt ein paar extra Kalorien. Mir geht es gut, wenn ich mir vorstelle, dass kein Wesen für meine kleine Leckerei leiden musste.

Was wünschst du dir für die Zukunft?
Ich wünschte, die Leute könnten einige ihrer Konflikte beseitigen, sich gegenseitig als Menschen sehen, damit sich die Dinge für alle verbessern wie auch für nichtmenschliche Tiere. Ich würde mich freuen, wenn wir die Erde und alles darauf mit etwas mehr Sorgfalt und Rücksicht behandeln würden.

Vielen Dank :-)


Wir danken dir, Rory! Deine Geschichte ist total spannend. Mal sehen, wer dazu seine Meinung teilt oder dir ein Vote gibt.


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Interview: Linda Schenker

 

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