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Take-Out-Essen retten mit der App Too Good To Go

Jährlich werden alleine in der Schweiz über zwei Millionen Tonnen Essen weggeworfen – Lebensmittel, die problemlos konsumiert werden könnten. Davon fallen in der Gastronomie rund 290’000 pro Jahr Tonnen an. Hier kommt das Start-Up Too Good To Go ins Spiel.

Das Team besteht aus motivierten LebensmittelretterInnen, die sich die Aufgabe auferlegt haben, übriggebliebenes Essen diverser Food-Anbieter über ihre gleichnamige App für wenig Stutz anzubieten und dadurch Food-Waste zu minimieren. André, Marketingmanager Too Good To Go Schweiz, sprach mit uns über das besondere Konzept.

Hi André! Bitte stell’ dich vor und verrate uns, was dich zu Too Good To Go führte.
Ich bin seit November 2018 zuständig fürs Marketing in der Schweiz. Too Good To Go vereint drei Dinge, die ich in einem Job suche: Einen Sinn, (Start-Up) Speed und die Möglichkeit, sich selber einzubringen.

Auf eurer Website beschreibt ihr euch als einen “motivierten Haufen LebensmittelretterInnen” - was war eure Motivation, um Too Good To Go zu gründen?
Wir sind tatsächlich ein bunt gemischter Haufen, mit ganz unterschiedlichen Backgrounds und Motivationen. Meine Motivation war einfach, die Welt ein kleines Stück besser zu machen und ein Teil der Lösung zu sein.

Wie gross ist das Too Good To Go-Team und seit wann gibt es euch?
Die Idee wurde 2016 in Dänemark entwickelt und Step-by-Step in verschiedenen Ländern Europas eingeführt. In der Schweiz sind wir seit Juni 2018 aktiv, unser Team besteht aktuell aus 8 Waste-Warriors.

Was macht euer Konzept so einzigartig?
Die Idee funktioniert so gut, da sie einerseits sehr simpel ist und andererseits eine Win-Win-Win Situation darstellt. Die Konsumenten können sich bequem über die App einen Laden in ihrer Umgebung aussuchen und gute Produkte zu einem kleinen Preis geniessen.

Der gastronomische Betrieb kann seine übrigen Lebensmittel verkaufen, anstatt sie zu entsorgen, und somit neue Kunden gewinnen und Verluste minimieren. Durch die geretteten Mahlzeiten werden wertvolle Ressourcen geschont. Weltweit konnten dank Too Good To Go bereits 12.000 Tonnen C02 eingespart werden.  

In welchen Ländern seid ihr mit der App unterwegs?
Dänemark, Belgien, Frankreich, Deutschland, Norwegen, Spanien, Niederlande, England und in der Schweiz. Drei weitere Länder sind für 2019 in Planung.

Wie können User Too Good To Go am besten unterstützen?
Einerseits natürlich indem sie unsere App täglich nutzen. Andererseits in persönlichen Gesprächen auf das Thema aufmerksam machen. Das Hauptproblem ist ja, dass wir es uns schlicht und einfach leisten können, Essen wegzuwerfen. In der Schweiz landen jedes Jahr über 2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Abfall, dies entspricht ungefähr einem Drittel aller produzierten Lebensmittel. Fast die Hälfte dieser Abfälle werden in Haushalten und der Gastronomie verursacht, die Tendenz ist stark steigend. Es ist unser erklärtes Ziel, dass Food Waste zu einem gesellschaftlichen Thema wird, und somit unsere Lebensmittel wieder mehr geschätzt werden.

Gibt es gewisse Regeln, um sicherzustellen, dass sich keiner den Magen verdirbt?
Das sollte nicht der Fall sein, denn alle Lebensmittel sind nicht abgelaufen, sondern in perfektem Zustand, sie können einfach am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden. Für die Qualität stehen unsere Partner (Migros, Coop etc.) mit ihrem Namen. Wir wählen natürlich auch nur Partner aus, bei denen wir sicher sind, dass die Qualität eingehalten werden kann. Einzige Ausnahme: für Allergiker (z.B. Crevetten bei Sushi) ist unsere App je nach dem nicht geeignet, da man nie genau weiss, was man bekommt.

Wie gross ist der Aufwand für Restaurants und Take-Away-Imbisse für die Benutzung der App? Wie können Unternehmen mitmachen?
Der Aufwand ist minimal. Es gibt eine einmalige Anmeldung, bei der wir behilflich sind mit Anzahl der Portionen, Öffnungszeiten einstellen etc. Danach muss der Partner nur noch das übriggebliebene Essen am Abend einpacken, der User kann die Portion via App bestellen und bezahlen und muss nur noch sein Smartphone vorweisen. Falls es einmal zu viel oder zu wenig Essen hat, kann man das ganz einfach via Website einstellen.

Hast du einen Tipp, wie wir als Einzelpersonen nachhaltiger leben können - abgesehen vom Lebensmittelretten?
Uff, da gibts so viele. Ich denke wie überall, sollte man einfach gesunden Menschenverstand haben und es nicht übertreiben. Ich bin beispielsweise nicht zum Hardcore-Veganer geworden, aber esse viel weniger und bewusster Fleisch. Es muss auch zum Lebensstil passen. Ich bin sehr viel auf dem Snowboard unterwegs und habe mir vorgenommen, mehr hoch zu laufen anstatt die Ski-Lifte zu nutzen. Alle von unserem Team haben sich fürs 2019 Nachhaltigkeits-Versprechen auferlegt, vielleicht können wir so den einen oder anderen auch inspirieren:

Was sollte jemand beim Einkaufen beachten, damit er keinen Food-Waste produziert?
Auch hier gibt’s viele Tipps, zum Beispiel mit Hilfe einer Einkaufsliste wirklich nur das kaufen, was man braucht. Die älteren Lebensmittel zuvorderst in den Kühlschrank stellen, auch mal unförmiges Gemüse kaufen… Das Bundesamt für Gesundheit hat eine gute Liste dafür zusammengestellt.

Was sind deine liebsten To-Go-Gerichte? Wo rettest du regelmässig Essen?
Tenz Momos an der Langstrasse in Zürich! Super feine tibetische Teigtaschen. Aber auch die Metzgerei Rogenmoser direkt neben meinem Haus habe ich so entdeckt, bei der ich jetzt auch sonst einkaufen gehe. Mega freundliches Personal, lokale Produkte und feine Spezialitäten.

Was sind deine Vorstellungen vom Essen der Zukunft? Was muss sich verändern?
Ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Es gibt mittlerweile so viele gute Ideen, Start-Ups und motivierte Menschen, die alle die Welt ein kleines Stück besser machen wollen. Ich bin überzeugt, dass auch besonders bei der jungen Generation ein Mind-Shift stattgefunden hat.

Es ist nicht mehr so ein Prestige, eine grosse Bank auf der Visitenkarte zu haben, sondern viel cooler, sich bei einem kleinen Unternehmen für nachhaltige Konzepte einzusetzen. Ich hoffe der Trend hält an, sodass unsere grössten Talente nicht mehr dahin gehen, wo sie am meisten verdienen, sondern wo sie am meisten bewirken können. Denn bis Elan Musk den Mars kolonisiert hat, haben wir nur einen Planeten. Lasst uns versuchen, diesen zu retten.

Vielen herzlichen Dank für das spannende Interview, André! Wir hoffen, dass sich auch in Zukunft noch viele weitere LebensmittelretterInnen gewinnen lassen. 

 

Nutzt du die App bereits? Wie setzt du dich gegen Food-Waste ein? Sage es uns in den Kommentaren.

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Interview: Allegra Wolff

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