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Story SPORT BACKEN

Von Trainer Glenn und seinen Kämpferinnen der Nati-A

Ich sitze im Café Parterre in Luzern, wo ich mit dem “Headcoach” verabredet bin. Auf seiner Website und seinen Social Media Kanälen zeigt sich Glenn Meier authentisch: jung, sportlich mit Bart und Tattoos. Als Logo sticht dem User eine Karikatur ins Auge vom Coach selbst mit einem Fussball anstelle eines Hirns. Das passt. Denn der Trainer der FCL-Damen hat seit er denken kann den Ball im Kopf. Was sonst hinter seiner Stirn vorgeht, fanden wir im Gespräch heraus.

Glenn, wer bist du, wie alt bist du und was machst du?
(lacht) Wer ich bin ist eine ganz schwierige Frage.

Das finden wir sicher später heraus. Dann bleiben wir vorerst bei den einfachen Fragen.
Ich bin 31, von Luzern, bin Fussballtrainer und technischer Leiter beim FC Luzern. Neben des trainierens der Frauenmannschaft betreue ich alle Talente, die an die Sportkanti sind oder an der FREI’S Handelsschule das Sportler-KV absolvieren.Auch ich war an der FREI’s-Schule. Das Sportler-KV dauert vier Jahre statt drei und die Schüler trainieren tagsüber. Neben meinem Job baute ich einen Blog auf, worüber ich Podcasts und Statements veröffentliche. Meine Werte haben mich weitergebracht. Ich möchte sie anderen Menschen zugänglich machen und sie in ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen.

Wie wurde der Fussball zu deiner Leidenschaft?
Mein Vater bewegt sich seit Jahren im Fussball-Business. Er arbeitete für diverse Vereine, darunter auch in der Bundesliga in Deutschland. Ich wuchs sozusagen auf dem Fussballfeld auf. Von meinem Mami weiss ich, dass mich der Anblick von Bällen schon als Kleinkind im Kinderwagen elektrisierte.Ich wurde also bereits mit sechs Jahren durch meine Familie zum Spieler und wechselte mit acht Jahren zum FCL. Dort betrieb ich bis zu meinem 20. Altersjahr Fussball als Spitzensport.

Deine Karriere ist durch und durch sportlich. Erzähl mir vom Beginn deines Wegs.
In der Sekundarschule vor dem Übergang zur Lehre schwirrten mir nur Frauen und Fussball durch den Kopf. Alles, was ich wollte, war “Tschutten” und Profi werden. Also auf zu FREI’s! Was KV eigentlich hiess, wurde mir erst klar, als ich mich das erste Mal in einem Praktikum hinter einem Bildschirm wiederfand.

Nach dem Lehrabschluss begann ich Sportmanagement zu studieren. Gleichzeitig arbeitete ich bei MS Sports (heute Raiffeisen Football Camps), dem Unternehmen eines Freundes, welcher Fussballcamps für Kinder und Jugendliche in den Sommerferien organisierte.

Mittlerweile ist es gesamtschweizerisch ausgebaut worden und wurde erweitert mit Reiten, Tennis, Schwimmen, Tanzen, Golf und weitere Sportarten. Ich blieb nach dem Studium und war verantwortlich für den gesamten Fussballbereich. Ich organisierte und leitete selber Camps.

Wie sieht ein typischer Tag in deinem Leben aus?
Immer anders. Die Abwechslung macht das Leben süss und meinen Beruf interessant. Ich kann mir meine Zeit grösstenteils selber einteilen. Das schätze ich sehr. Ich arbeite 80 % und achte auf einen geregelten Tagesablauf. Meistens klingelt mein Wecker um 7:00 Uhr. Nach dem Aufstehen folgt meine Morgenroutine mit Meditation und Morgenjournal.

Was ist das Morgenjournal? Schreibst du da etwas auf?
Das ist ein Buch mit Fragen, welche ich jeden Morgen stichwortartig beantworte. Zum Beispiel:

  • Wofür bin ich dankbar?
  • Worauf bin ich stolz?
  • Was ist momentan spannend?
  • Wen liebe ich, wer liebt mich?
  • Was ist mein Tagesziel?

Und am Abend reflektiere ich den Tag wieder mit Fragen:

  • Was habe ich super gemacht?
  • Was ist mir gut gelungen?
  • Was hätte ich besser machen können?
  • Wem konnte ich heute helfen?
  • Habe ich mein Tagesziel erreicht?

Was macht deiner Meinung nach ein guter Coach aus?
Gute Frage. Ein guter Coach ist für mich einer, welcher die Materie beherrscht und ein fundiertes Fachwissen besitzt. Gleichzeitig ist er offen, um sich über den Tellerrand hinaus auf kontroverse Gespräche einzulassen.

Der wichtigste Punkt jedoch ist die Fähigkeit, die Menschen zu spüren. In der Trainerausbildung wird dies zu wenig gewichtet. Dieses Gespür ist etwas, was du nicht lernen kannst. Ich kenne fachlich überragende Trainer, welchen dieses gewisse Feingefühl einfach fehlt.

Warum bist du ein guter Coach?
Ich reflektiere mich selbst. Wenn ein Spieler in einem Match nicht “funktioniert”, wie er sollte, suche ich den Fehler bei mir. Vielleicht lag es daran, dass ich im Training oder bei einer Ansprache etwas falsch machte. Ich ziehe mich in die Verantwortung. Als Coach solltest du bereit sein, Fehler zu erkennen und aus diesen zu lernen.

Ein Umfeld, welches kritische fragen stellt, ist hilfreich. Das bringt dir mehr, als wenn dir jeder auf die Schulter klopft und dir sagt, wie gut du alles machst.

Was leitet dich?
Ich liebe den Satz: “Fall in love with the process.” Der Prozess der persönlichen Entwicklung ist nie abgeschlossen. Die Fähigkeit zu reflektieren wächst auch mit der Erfahrung. Etwas, was ich zum Beispiel nicht mehr mache, ist nach dem Spiel etwas zu meiner Mannschaft zu sagen. Voller Adrenalin kann man nicht konstruktiv sein.

Wolltest du schon immer die FCL-Frauen trainieren?
Nein. Das Angebot kam überraschend. Ursprünglich trainierte ich Männer und hatte nichts mit Frauenfussball am Hut. Ich belächelte diesen sogar, wie es viele tun. Doch ich wollte etwas Neues probieren und sprang ins kalte Wasser.

Am Anfang war meine Motivation klar: Die Erfahrung zählt.Mittlerweile gibt es vieles, was ich unfassbar schätze und was exklusiv ist beim Frauenfussball. Manche Frauen fahren von Bern oder Zürich vier bis sechs Mal pro Woche nach Luzern und bezahlen dafür, um bei mir im Schweizer Nati-A NLA Team der Frauen zu trainieren. Das ist Leidenschaft! (lacht)

Weiblein versus Männlein: was unterscheidet sie massgeblich?
Alles, was du rein gibst, bekommst du bei den Frauen 200% zurück. Sie sind enorm dankbar. Frauen würden quasi mit Beinbruch weiterspielen. Durchbeissen ist die Devise. Deshalb will keiner mehr weg, der zum Frauenfussball kommt.

Frauen leben andere Werte. Es geht ihnen weder um Prestige noch um Geld. Der Sport steht im Zentrum. Diese Frauen lieben Fussball. Und ich muss mich als ihr Trainer nicht verstellen. Keiner sagt mir, ich müsse mich rasieren. Ich war mein leben lang authentisch.

Und trotzdem hört man wenig von den weiblichen Kickern.
Das Publikum muss noch geschaffen werden. Frauenfussball ist irgendwie negativ behaftet und hat keine mediale Präsenz. Das ist eines der Hauptargumente, warum ich dabei bleibe. Ich setze mich für eine sportliche Randgruppe ein.

Das klingt eigenwillig.
Ja, das bin ich. Meine Tattoos sind ein Ausdruck davon. Wenn mir jemand sagen würde, du kannst hier nicht arbeiten, weil du Tattoos hast, dann wäre der Job für mich kein Thema. Ich war früher schon ein Rebell und wollte die ganze Welt verändern und anders sein als alle Anderen.

Wenn wir gerade bei Veränderung sind. Du ernährst dich rein pflanzlich. Wie bist du auf die Idee gekommen, deine Ernährung umzustellen?
Mein Bruder ernährte sich weit vor dem Trend schon vegan. Ich war damals ein hardcore Fleischesser. Wenn wir bei Mami eingeladen waren, kam er mit seinen selbst gemachten Aubergineburgern und ich drückte ihm einen nicht ganz ernst gemeinten Spruch nach dem andern ins Gesicht wie zum Beispiel: “Was bist du für ein Looser?” oder “Was machst du da?”Ich verzehrte daneben genüsslich mein Fleisch.

Und er - was ich im nachhinein mega cool finde - lachte einfach und ging nicht darauf ein. Er wollte mich nie bekehren. Irgendwann begann ich mich mit den Hintergründen auseinander zu setzen. Ich weiss gar nicht mehr genau wieso.Plötzlich hat es bei mir Klick gemacht.

Ich ging zu meinem Bruder mit Fakten, vor welchen ich meine Augen nicht mehr verschliessen konnte und sagte ihm: “Hey, das ist ja richtig heftig!” Mein Bruder meinte darauf: “Was dachtest du denn, ich mache das aus Spass?”Je mehr ich mich mit der Produktion von tierischen Produkten auseinander setzte, desto schwerer fiel es mir, die Tatsachen zu ignorieren und weiter zu machen wie bisher.

Wo standest du im Leben, als das “Klick” kam?
Ich war damals voll im Muskelwahn und trainierte nicht funktionell sondern mehr mit Gewichten nach dem Motto: im Fitness pumpen. Ich verfolgte zu dieser Zeit unter Anderen die Bodybuilder Patrick Reiser und Mischa auf Youtube, welche die Vorreiter des plant-based Trend waren. Das war vor etwa fünf Jahren.

Mit welcher Tat fing die Veränderung an?
Fleisch ass ich von einem Tag auf den anderen keines mehr. Etwas später kamen Milchprodukte dazu und bald darauf folgten Kosmetikartikel, welche auf Tierversuche verzichten. Mein Leben wurde immer bewusster auch im Umgang mit der Umwelt und mit Ressourcen. Wenn ich in der Migros einkaufe, nehme ich meine eigenen Stoffsäckli mit.

Ich machte einen Wandel durch. Früher war ich jedes Wochenende im Ausgang. Ich lebte sehr unbewusst. Heute würden mir viele Menschen meinen Lebensstil aufgrund von meiner äusseren Erscheinung vielleicht nicht zutrauen.

Ich dachte früher keine Sekunde über mein Konsumverhalten nach. Durch das Erwachen meines Bewusstseins in Sachen Ernährung veränderte sich sehr vieles in anderen Bereichen meines Lebens. Ich fand einen Zugang zu mir selbst, welcher mir extrem gut tut und mich im Leben weiterbringt.Das Leben wäre zwar manchmal bequemer, wenn ich mich nie mit dem Thema plant-based auseinandergesetzt hätte (lacht).

Wie reagierte dein Umfeld auf deine Ernährungsumstellung?
In meinem Freundeskreis stelle ich einen sehr zentralen Part dar. Ich habe meine besten drei Freunde tätowiert. Das ist meine Family. Ich wusste, dass mein näheres Umfeld absolut hinter mir steht. Und so war es auch. Manche meinten, sie können sich das nicht vorstellen für ihr eigenes Leben.

Alle sind jedoch offen, respektieren es und ich werde das Gefühl nicht los, dass alle plötzlich ein bisschen bewusster leben.Im weiteren Umfeld herrschte Skepsis. Die Leute dachten, das sei so eine Phase. Bis sie merkten, dass ich das wirklich ernst meine und durchziehe.

Ist die vegane Ernährung geeignet für dich als Sportler?
Pflanzliche Ernährung ist perfekt, wenn du viel Sport machst. Du hast die drei Makronährstoffe Eiweiss, Kohlenhydrate und Fett, welche ausgewogen sein sollten. Das ist wichtig für eine gesunde Ernährung. Die Kalorienzufuhr sollte dem Verbrauch angepasst werden. Es gelten die gleichen Regeln wie in jeder anderen Ernährung.Viele erfolgreiche Sportler ernähren sich rein pflanzlich.

Wenn du die Nährstoffzusammensetzung beim DANKEBITTE Brot null hoch 7 anschaust, was gefällt dir am besten daran?
Ordentlich sättigend (lacht). Ich bin ein riesen Brot-Tiger. Meine Freunde wissen, dass sie genügend Brot im Haus brauchen, wenn ich sie besuche. Ich werde sogar wütend, wenn mir jemand das Brotkörbchen im Restaurant entwendet.Interessant am DANKEBITTE Brot ist, dass sehr wenig Kohlenhydrate drin sind. Dafür hast du viel Fett aufgrund der verschiedenen Nüsse und Sonnenblumenkerne. Deshalb solltest du nicht das ganze Brot auf einmal essen. Der hohe Eiweissgehalt macht satt. Egal, welche Ernährungsweise du hast, ob Paleo, Low-Carb oder eine Andere: jede entpuppt sich als Mangelernährung, wenn du nicht genug darüber weisst. Ich finde das Brot extrem cool.

 

Glenn Meier hält das DANKEBITTE Brot und schaut in die Kamera
Glenn ist begeistert von unserem Mitbringsel, dem DANKEBITTE Brot.

 

Vom Fleisch-Tiger zum Brot-Tiger: Hast du Unterschiede bemerkt durch den Verzicht auf Tierisches?
Ja, ich bemerkte Veränderungen. Ich behaupte, ich habe Muskulatur abgebaut. Dafür wurde meine Muskulatur definierter. Ich verlor schneller Fett. Mein Ziel war nicht, massig auszusehen. Ich wollte einen athletischen Körper.Einschneidend fand ich die Veränderung der Verdauung. Ich hatte früher immer einen aufgeblähten Bauch. Das ist vorbei. Auch meine Haut war damals viel unreiner als heute, durch den hohen Verzehr an Fleisch und Milchprodukten. Allgemein bin ich irgendwie wacher. Ich habe das Gefühl, weniger Schlaf zu brauchen und allgemein leistungsfähiger zu sein. 

Wie gehst du damit um, dass viele Sportutensilien wie Fussbälle oder Fussballschuhe aus Leder produziert werden?
Bälle und Schuhe sind heute meistens aus Kunsstoff erhältlich. Bei Neuanschaffungen, achte ich auf tierfreie Materialien. Eine Lederjacke von früher würde ich jetzt nicht wegwerfen. Das Tier ist bereits tot, du hast das sowieso bereits gekauft und im Haus. Je tiefer dein Bewusstsein geht, desto weniger schaffst du dir solche Sachen an.

Ich bin sowieso gerade auf einem Minimalismus-Tripp. Ich habe kürzlich mein Auto verkauft. Und meine Freundin und ich sind umgezogen. Mein Ziel war, dass unsere Besucher fragen: “Sag mal, seid ihr ausgeraubt worden?” (lacht)Weniger ist mehr. Fernseher existiert nicht mehr. Vor jedem Kauf überlege ich, ob ich etwas wirklich brauche?

Dazu inspirierten mich meine Reisen. Plötzlich kommst du mit einem winzigen Rucksack aus. Das lässt sich teilweise auf den Alltag abmünzen.

Warum denkst du, geben wir Geld für unnötige Dinge aus?
Der Konsum ist hormongesteuert: Dopamin wird ausgeschüttet beim Kauf des Objekts der Begierde. Darauf folgt irgendwann die Leere, wenn die Freude über das Neue verflogen ist. Du brauchst den nächsten Kick, sprich, den nächsten Kauf. Es liegt daran, dass wir Menschen dazu neigen, die Zufriedenheit “im Aussen” in materiellen Dingen zu suchen. Beim Drehen des Blickwinkels nach innen erfährst du wahres Glück. Du spürst es, wenn du zum Beispiel jemandem von Herzen ein Kompliment machst oder wenn du einer Person helfen kannst. Ich erlebe dieses Gefühl bei Siegesfeiern mit meinem Team. Das lässt sich nicht in Worte fassen - es ist das wahre Glück!

Stell dir vor, es gibt ein Knöpfchen und wenn du es drückst, verändert sich etwas in der ganzen Welt, was wäre das?
(überlegt eine Weile) Ich würde mir wünschen, dass jeder Mensch alle Anderen, die auf ihn treffen, so behandelt, wie diejenige Person, welche er am meisten liebt. Jeder würde geben, ohne etwas zu erwarten. Dadurch wäre es unmöglich, dass Dinge geschehen, welche aus meiner Sicht auf dieser Welt nicht passieren sollten. Alle wären voller Liebe.

Herzlichen Dank, Glenn für deine klaren und offenen Antworten. Dein Enthusiasmus schwappte auf mich rüber im Gespräch und ich würde jetzt gerne ein paar Tore schiessen. Dir wünsche ich gute Back-Erfahrungen mit dem DANKEBITTE-Brot.

Zum Abschluss bitte ich den Coach zum “Töggelen” an den Tisch. Der Stolz über meinen Sieg kann ich nicht ganz verbergen. Glenns Antwort darauf war die Herausforderung zur Revanche auf dem realen Rasen. Das riecht nach einem 1:1.

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Autorin: Linda Schenker

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