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Vorhang auf für den kontroversen Konsum

Zwei zu eins verlor die FairFood-Initiative am 23.09.2018. Warum zieht dieses Thema in die Politik ein? Wo liegt die Notwendigkeit, dass der Staat eingreift? Niemand will doch etwas Böses tun. Keiner ist Träger der Verantwortung, wenn es um die Ausbeutung von Schwächeren geht oder um die Vernichtung von Regenwald. Niemand will einen Schaden anrichten an der schönen Natur unserer Welt oder gar arme Menschen ausnehmen. Ein Blick hinter den Vorhang gefällig?

Die FairFood-Initiative wurde mit ⅔ zu ⅓ abgelehnt. Vielleicht war es die Warnung vor höheren Lebensmittelpreisen, welche die Mehrzahl der Stimmbürger zu einem “Nein” bewogen hat. 

Ein alltäglicher Vergleich

Denken wir uns doch mal eine Geschichte aus. Diese handelt von Anna. Die Hausfrau lebt in der Schweiz im eigenen Haus mit ihrem Mann, ihren zwei Kindern und Kater Moudi. Anna unterstützt regelmässig die Tierschutzorganisation “Vier Pfoten”. Gerade kürzlich spendete sie für eine Orang-Utan-Auffangstation.

Wie in vielen Schweizer Haushalten steht der Schokoladen-Brotaufstrich auf dem Frühstückstisch bei Anna und ihrer Familie. Nehmen wir an, er besteht zu 30 % aus Palmöl. Dieses stammt aus Indonesien, Borneo, Honduras oder von sonst wo weit weg. Täglich werden Flächen so gross wie Fussballfelder an Dschungel abgeholzt und kleinen Bauern das Land geklaut, damit die Palmenkultur Platz zum gedeihen hat. Orang-Utans sterben bei den Rodungen reihenweise oder werden zu Waisen aufgrund des Waldschwundes.

Anna kauft jeweils ein volles Glas des süssen Aufstrichs, wenn dieser zur Neige geht. Sie ahnt nicht, was wirklich darin steckt. Im Grunde genommen, setzt die tierliebe Hausfrau ihr Geld dafür ein, die Zerstörung des Lebensraums von Orang-Utans voranzutreiben. Obwohl sie das nicht wollte, wenn sie wüsste, was sie mit ihrem Konsumverhalten unterstützt. Gleichzeitig setzt sie ihr Geld dafür ein, den Menschenaffen zu helfen, für deren Leid sie indirekt mitverantwortlich ist.

Aber in der Schweiz doch nicht

Palmöl kommt in Margarine, Schokolade, Keksen, Chips, Kosmetika und vielen weiteren Produkten vor. Und es ist nur einer von einer langen Liste von Rohstoffen, welche unter schlechten Bedingungen für viele Beteiligte gewonnen werden und in die Schweiz gelangen.

Der durchschnittliche Konsument geht davon aus, dass hierzulande alles mit rechten Dingen zugeht. Schliesslich sind wir in der Schweiz. Hier ist die Welt doch noch in Ordnung. Wir sind jedoch ein teures Land und wo er sparen kann, da freut sich der Bürger. Es herrscht hoher Preisdruck in der Lebensmittelindustrie, was die Beliebtheit günstiger Produkte aus dem Ausland erhöht.

Geld regiert die Welt. Trägt auch das Geld die Verantwortung der Zerstörung von Lebensräumen, von Artenvielfalt und Biodiversität? Eigentlich ist es nicht das Geld selbst, sondern der- oder diejenige, welche/r es einnimmt und ausgibt.

Und die Initiative?

Wenn man sich den Vergleich von unserer Anna vor Augen hält, würde es vielleicht Sinn ergeben, etwas mehr Geld für Lebensmittel in die Finger zu nehmen. Es ist fraglich, wie viele von den “Nein”-Sagern soziale Projekte im Ausland unterstützen. Bei einer Annahme der Initiative hätte der Ausdruck politisch korrekt doch tatsächlich an Bedeutung gewonnen.

 

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Autor: Linda Schenker

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Kommentare ( 2)

Da bekommen Sätze wie "boah nutella esch läbe" eine ganz andere Bedeutung.
Danke für deinen Kommentar PlantTreedNotBombs :-)