Bei Veenity dabei seit October 2018

Wahre Träume und verrückte Cupcakes in Luzern

Beim Betreten des CrazyCupCake Cafès in Luzern schmeicheln mir sofort unwiderstehliche Düfte um die Nase, welche sich aus Doris’ Ofen schleichen. Himmlische Schokoküchlein mit cremigem Himbeertopping und mampfiger Bananen-Cheesecake mit knusprigem Nuss-Biskuit sind nur zwei der nachhaltigen Kreationen aus dem zum Umfallen leckeren Sortiment.

Ich, Linda vom Veenity-Team, habe mich grosszügig geopfert und bin bei Doris für ein Interview reingeschneit, die ihr Café sozusagen in meiner Nachbarschaft in Luzern betreibt. Kaum hingesetzt, wurde ich bereits mit einem Kaffee und einem mundgerechten Mini-Vanille-CupCake verwöhnt. Ich liebe meine Job.

Doris, dein Café strahlt vor Farben und schönen Dingen. Wie lange betreibst du es bereits?
Crazy Cup Cake besteht seit November 2012.

Interior of CrazyCupCake Cafe
So gemütlich ist es im CrazyCupCake Café in Luzern bei Doris.

 

Verrätst du uns, woher du kommst, wie alt du bist und wie lange du in der Schweiz lebst?
Ursprünglich bin ich aus München. In Karlsruhe absolvierte ich die Ausbildung zur Fachinformatikerin und stellte fest, dass ich damit nicht meinen Berufung gefunden hatte. Seit ich 14 Jahre alt war, träumte ich von meinem eigenen Café.

Mit diesem Ziel vor den Augen, bewarb ich mich 2005 in Zürich für eine Bäcker-Konditorausbildung. Da ich die Stelle bekam, landete ich mit 25 Jahren in der Schweiz. Ich arbeitete dann in Winterthur und kam danach nach Luzern. Mittlerweile bin ich 40 Jahre alt.

Hattest du Mühe auszuwandern wegen deiner Familie und deinen Freunden in Deutschland?
Inzwischen habe ich einen Neffen und eine Nichte von meinem Bruder in München. Sie leben in Aschheim, wo wir aufgewachsen sind. Manchmal vermisse ich diese beiden. Ihretwegen überlege ich manchmal, zurück zu gehen. Das wäre der einzige Grund. Ich bin sehr frei und nicht personengebunden und mache gerne mein eigenes Ding.

Du hast ein Schmuckstück von einer Kaffeemaschine und bist auch Barista. Wo hast du gelernt, diesen leckeren Kaffee zuzubereiten?
Ich bin nicht Barista! (lacht) Was heisst schon Barista? Ich besuchte einen eintägigen Kurs und das wars. Die Latte Art habe ich nicht so drauf. Vor meinem inneren Auge betet ein Barista jeden Morgen sein Maschine an und er wägt die Pulvermenge pro Kaffee ganz genau ab. Ich mache da keine Doktorarbeit.

Ich kriege Komplimente für meinen Kaffee und er schmeckt mir selber gut, darauf lege ich Wert. Allgemein lege ich Wert darauf, in allen Bereichen gut zu sein. Der Kaffee schmeckt gut und das genügt, da erlaube ich mir die Kunstwerke im Milchschaum zu vernachlässigen. Wichtig sind auch die Kaffeebohnen. Ich beziehe diese von der Rast Kaffee AG in Ebikon, die meiner Meinung nach die beste Rösterei in der Umgebung ist.

Und wieso kannst du so gut backen?
Meine Ansprüche sind hoch. Ich finde selbst nicht alles lecker und wenn ich etwas kreiere, was mich nicht überzeugt, dann produziere ich es nicht. Auf meinen Reisen ergaben sich viele Gelegenheiten, Neues zu probieren. Vieles war gut, aber nur Weniges war “oberdeluxe”. Ich will einfach Backwaren in meinem Café verkaufen, die richtig geil schmecken.

Different cupcakes on a red plate
Ein paar der verschiedenen veganen Cupcakes aus dem vielfältigen Sortiment. Hausgemacht natürlich.


Was ist das Besondere an deinen Cupcakes, Cheesecakes und Torten?
Auf die Qualität der Inhaltsstoffe lege ich grossen Wert und verwende bevorzugt Bio-Produkte. Ich probiere gerne aus und nehme dann die Zutaten, mit welchen ein Rezept am besten funktioniert. In meine Teigmassen kommen ausschliesslich pflanzliche Produkte.

Das Geheimnis liegt in wenigen und frischen Zutaten sowie in der liebevollen Zubereitung. Ich mache alle Backwaren selber, was ich bei meinem Konzept als Selbstverständlichkeit betrachte. Wenn ich am Morgen komme, backe ich zum einen frisch für den Tag und zum andern friere ich einen Teil ein, da ich nicht täglich alle Sorten frisch produzieren kann.

Was verwendest du als pflanzliches Pendant zu Eiern, Butter und Milch?
Bei den Rüeblimuffins nehme ich zum Beispiel Sojajoghurt, damit diese schön kompakt werden. Generell verwende ich statt Eiern Bananen oder ein Pulver auf der Basis von Lupinenmehl. Anstelle von Butter kommt Margarine oder Sonnenblumenöl zum Einsatz und die Kuhmilch ersetze ich durch Sojamilch.

Wie kriegst du diese köstliche Crème so gut hin?
Für die Himbeercreme schlage ich Sojasahne auf und mische sie mit Rahmfestiger. Dazu gebe ich ein Pürée aus gefrorenen Himbeeren, etwas Zitronensaft und Zucker. Im Frischkäsetopping steckt der Soja-Frischkäse von Sojana.

Warum eigentlich die Bezeichnung “crazy”?
Ich finde das einfach cool. Es gibt wenige Cafés, deren Name mich anspricht. Ich wollte etwas Stimmiges, ein Wortspiel oder etwas, das sich reimt. Einst betrieb ich eine Homepage, die Dessert Design hiess. Eine frühere Mitarbeiterin erzählte mir von einem Cupcake Laden in Zürich. Das brachte mich auf die Idee.

Im Handelsregister bin ich mit voll vielen “Cs” eingetragen. Der komplette Name von Crazy Cupcake lautet: Crazy CupCake & Co. Company Café & Catering.

Gibt es bei dir auch Cupcakes für Parties, also, kann man bei dir Bestellungen aufgeben oder was mitnehmen?
Ja, das geht auf Vorbestellung. Gerade hat Rast Kaffee 1000 Stück bestellt. Ich bin keine Geschäftsfrau und will mich nicht aufdrängen. Deshalb gibt es hier noch viel Potenzial für die Menge an Aufträgen. Ich bräuchte jemanden, der diesen Verkauf für mich übernimmt. Ich würde gerne mehr ausliefern.

Dein Café war kürzlich in der Sommerpause. Wo warst du?
Ich reiste mit dem Fahrrad bis nach Helsinki über Paris, London, Amsterdam, Kopenhagen und Stockholm. Alle diese Städte kannte ich bereits von vorherigen Fahrradtouren. Helsinki, wo ich drei Tage verbrachte, kannte ich bis dahin noch nicht.

Der Rückweg führte mich über Talin, Riga, Danzig in Polen und nach Rügen. Da kannte ich auch wieder die meisten Wege. Danach kam Berlin und Dresden, wo ich auf dem Malerweg eine Rundwanderung abschritt. Das hat mir mega gefallen, obwohl ich gar nicht so der Wandertyp bin. Insgesamt war ich acht Wochen unterwegs.

Light in form of espresso cups above the bar
Wenn die Lichtlein länger nicht brennen, ist Doris mit dem Fahrrad auf Reisen.

 

Wow! Du bist eine Abenteurerin. Warum reist du alleine?
Weil ich niemanden so lange und so nahe ertragen kann (lacht). Ich liebe meine Unabhängigkeit. Manchmal denke ich, es wäre schön, jemanden am Abend zum reden zu haben. Deshalb probierte ich eine Zeit lang Couchsurfing aus.

Dann plante ich eine Tour in Skandinavien und überlegte mir, diese mit jemandem zusammen zu unternehmen. Auf Veloplus suchte ich nach einem geeigneten Reisepartner. Beim Treffen sprang der Funke nicht, weshalb ich entschied, wieder alleine zu fahren. Ich will mein eigenes Tempo fahren, habe meinen Tagesrhythmus und ich frühstücke nicht. Ich bin nicht so kompromissbereit auf meinen Reisen.

Und wenn ich mich doch einmal auf eine gemeinsame Fahrt einlasse, dann lieber mit Typen. Ich war schon mit Frauen unterwegs, da hätte ich zu Fuss nebenher laufen können. Ich komme gerne voran. Jeden Morgen, wenn ich früh zwischen 5:30 Uhr und 6:00 Uhr losfahre, startet der Wettbewerb gegen mich selbst. Dann stresst es mich, wenn ich nicht vorwärts komme.

Hast du manchmal Angst als Frau alleine?
Nein, Angst habe ich nie. Mein Weg führt mich ja nicht durch Afghanistan. Ich reise dorthin,wo es sicher ist. Wo es nicht sicher ist, habe ich kein Interesse zu reisen. Ich war mal in Barcelona und dort fiel mir auf, dass ich aufpassen muss wegen Gepäckdieben. Schweden ist beispielsweise total sicher.

Wann fährst du wieder los?
Die nächste Reise werde ich 2019 unternehmen. Bis jetzt steht noch kein Plan, das entscheide ich kurzfristig. Ich denke, ich werde nicht mehr ganz so lange weg bleiben. Irgendwann reicht es mir dann jeweils. Bei der letzten Reise hatte ich plötzlich genug.

Früher folgte ich streng dem Grundsatz: “Zug ist Betrug”. Heute bin ich nicht mehr so verbissen.

Welche Pläne hast du für die Zukunft?
So genau weiss ich das nicht. In meinem Kopf schwirren immer viele Ideen rum.

Bist du mit deinem Café zufrieden so wie es ist?
Rein finanziell schlägt es nicht gerade ein wie eine Bombe. Das stört mich weniger, als ich gedacht hätte. Ich könnte mir vorstellen, eines Tages alles nach München zu verschieben.

Doch meine Gäste motivieren mich immer wieder, hier und genau so weiter zu machen. Dann denke ich immer wieder aufs Neue, nur wegen dieser einen netten Person lohnt es sich, jeden Tag zu backen.


Vielen Dank Doris! Nicht nur für die zwei noch folgenden Kaffees sondern auch für deine grosszügige Cupcake-Spende für das ganze Veenity-Team.


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Autorin: Linda Schenker

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